Vom Erwachsenwerden und fehlenden Hobbies

Vom Erwachsenwerden und fehlenden Hobbies

Ich bin 27 und habe keine Hobbies. Eigentlich. Bis vor Kurzem. Serien schauen, ins Kino gehen, Musik hören. Das sind zwar Hobbies, zählen für mich aber irgendwie nicht so richtig. Warum? Weil es wohl kaum einen Menschen gibt, der eben genau jene nicht als seine Hobbies bezeichnet. Was macht mich also aus? Womit verbringe ich gern meine Zeit? Worin bin ich gut? Oder worin weniger gut, was mir aber genauso viel Freude bereitet?

Ich konnte es nicht sagen. Wirklich nicht. In diesem ganzen Prozess des Erwachsenwerdens habe ich mich irgendwie verloren. Meine Persönlichkeit. Meine individuellen Interessen. Bis zum Ende der Schulzeit strotzt man nur so vor Interessen. Der Kalender ist voll, es macht einem aber nichts aus. Weil man seinen Interessen nachgeht. Im Studium ist das ähnlich. Jedoch steckt man hier bereits ziemlich viel zurück – weil ja für die Prüfung gelernt werden, die nächste Hausarbeit geschrieben werden muss. Die Semesterferien verbringt man in der alten Heimat oder schlichtweg fern von Deutschland.

Nach dem Studium kommt der Job. Man ist froh, endlich all das hinter sich lassen zu können. Endlich richtiges Geld zu verdienen. “Richtig” bedeutet in dem Fall: Am Ende des Monats ist davon auch noch etwas übrig. In dieser Illusion lebt man zumindest anfänglich. Man denkt: Jetzt beginnt das Leben erst richtig! Ich kann mir all die tollen Dinge leisten, die ich immer haben wollte. Ich habe einen Job, der mich erfüllt und auf den ich in all den Studienjahren hingearbeitet habe.

Man ist erwachsen. Und das ist toll, war es doch ein langer, langer Prozess. Und irgendwie ist es auch gar nicht so schlecht. Mit der Zeit merkt man allerdings: Das eigene Leben steckt zurück. Man kommt von der Arbeit nach Hause und ist kaputt. Die Couch der einzige Ort, an den man sich zurückziehen möchte. Und dann vergehen die Wochen. Man merkt: Sich Zeit für Freunde zu nehmen ist schwieriger geworden. Spontane Treffen gestalten sich schwieriger als je zuvor, da jeder seinen Job, seinen Partner, seine Freunde und alle Verpflichtungen unter einen Hut bringen muss. Und das schafft man auch!

Ich stelle jedoch fest: Manchmal kommt man dabei selbst zu kurz. Und Zeit für Hobbies bleibt kaum, da die Zeit, die man letztendlich wirklich ausschließlich für sich allein hat, ziemlich begrenzt ist. Dieses Phänomen ist wahrscheinlich der Grund dafür, dass ich von mir sage, ich hätte keine Hobbies.

In all diesem Alltagstrott, den Verpflichtungen, den schönen Momenten mit Freunden, habe ich jedoch eins gelernt: Man muss sich auch Zeit für sich selbst nehmen. Für die eigene Entwicklung, die eigene Entspannung und Entfaltung. Ich habe also angefangen, mir Zeit zu nehmen. Mir wieder Dinge zu suchen, die ich gerne mache. Oder die ich ganz neu lerne! Denn auch dafür ist es nie zu spät.

Bücher sind eine der größten Bereicherungen für mich. Schon immer. Ich habe mir nur häufig nicht die Zeit genommen, in fremde Geschichten einzutauchen. Heute nehme ich mir Zeit dafür. Und lese ganz bewusst – fülle aber genauso meine Zeit in der S-Bahn damit. Denn genau diese Momente kann man ganz bewusst nutzen und kurz aus der Realität entschwinden.

Klavier spielen habe ich im Vergleich zu vielen anderen nicht als Kind, sondern erst als Jugendliche gelernt. Mit 13 hatte ich meine erste Unterrichtsstunde. Das E-Piano, auf dem ich das Spielen gelernt habe, habe ich heute immer noch. Manchmal vergehen 1-2 Jahre, ohne dass ich es ein einziges Mal genutzt habe. Seit einem Jahr hat sich das geändert und ich lerne regelmäßig neue Stücke.

Handlettering ist wohl auch eine kleine Modeerscheinung aktuell. Gut malen und zeichnen konnte ich noch nie, weshalb ich dachte, dass auch Handlettering nichts für mich ist. Auch meine Handschrift fällt eher unter unlesbar als wunderschön. Ich bin jedoch ein großer Papier, Stift und Kalligrafie-Fan und habe es daher einfach mal versucht. Und siehe da – es fühlt sich unglaublich gut an, Bilder nur mit Schrift zu erschaffen. Ich liebe es!

Konzerte besuche ich häufig. Mit einer meiner besten Freundinnen habe ich irgendwann, nachdem wir festgestellt haben, dass man viel zu selten auf Konzerte geht, den Pakt geschlossen, 1x im Monat eines zu besuchen. Seit zwei Jahren halten wir tapfer durch. Weil es unglaublich viel Spaß macht, bekannte Künstler, aber auch neue, kleine und völlig unbekannte live zu sehen. Denn Musik verbindet.

Zeit ist das Wertvollste, was wir besitzen. Zeit muss man sich auch für sich selbst nehmen. Heute habe ich wieder Hobbies. Und kann diese auch mit meinen Freunden teilen. Und bin dabei wieder mehr ich als vorher.

 

Das ist nur ein ganz kleiner Teil von mir. Ich bin Mira. Ich blogge hier ab heute. Und würde mich freuen, wenn du mich auf meiner Reise begleitest. <3

 

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29 Kommentare

  1. Mai 13, 2017 / 12:22 pm

    Hallo Mira,
    ein wirklich schön geschriebener erster Blogpost. So bekommt man gleich ein Bild von Dir vor Augen. Finde ich sehr gelungen.
    Es ist schön, dass Du nach all den Jahren endlich zu Dir und Deinen Hobbys gefunden hast. Ich hoffe für Dich, dass von nun auch das Bloggen dazu gehört.
    Ich wünsche Dir auf jeden Fall ganz viel Spaß.
    Vielleicht hört und sieht man sich ja mal. Ich wohne nämlich in Chemnitz. 😉

    Liebe Grüße,
    Lisa

    • Mira Vellichor
      Autor
      Mai 13, 2017 / 1:05 pm

      Lieben Dank, Lisa! Ich habe sogar in Chemnitz studiert – bis vor drei Jahren. 😀
      <3

  2. Mai 14, 2017 / 12:44 pm

    Hallo Mira, Glückwunsch zu deinem ersten Blogpost. Wirklich sehr cool und auch persönlich geschrieben. Das mit den fehlenden Hobbys während des Studiums und zu Beginn der Arbeitswelt kenne ich ganz gut. Jetzt ist das Bloggen eins meiner zeitaufwendigsten Hobbys was mir aber mega viel Spaß bereitet. ich gehe auch regelmäßig zu Konzerten. Hier wird man so oft von neuer Musik begeistert, weil Live Musik einen nochmal ganz anders überzeugt.
    Ich bin schon gespannt auf deine nächsten Blogposts und wünsche dir viel Spaß bei deinen nächsten Beiträgen.
    Alles Liebe und noch einen schönen Sonntag.
    Marcel
    http://marsilicious.com

  3. Mai 14, 2017 / 7:40 pm

    Hey Mira einen richtig tollen Beitrag hast du da verfasst! Freue mich auf mehr 🙂

    Liebste Grüße, Samira

  4. Anna
    Mai 14, 2017 / 9:06 pm

    Bin gerade durch Zufall auf deine Seite gestoßen und finde den Beitrag total nett geschrieben. Werde sicher öfter hier rein schauen. Danke sehr und ich freu mich auf viele weitere inspirierende Blogposts von dir 🙂

  5. Mai 15, 2017 / 9:37 am

    Wirklich ein toll geschriebener Beitrag. Man kann sich sehr gut in dich reinversetzten, findet sich aber auch selbst wieder. Mach weiter so! <3

  6. Mai 15, 2017 / 12:53 pm

    Dein Blog ist wirklich schön! Wie ich angefangen habe diesen Beitrag zu lesen, habe ich mir nur gedacht, dass ich mich genauso fühle. Was sind denn meine Hobbies? Gott sei Dank kann ich jetzt schon mehr zu dieser Frage antworten, als vor einem Jahr. Ich liebe zum Beispiel die Fotografie!
    Alles Liebe,
    Selina

    • Mai 15, 2017 / 12:56 pm

      Dankeschön! Ich glaube, es geht irgendwann wirklich vielen so. Umso toller, dass wir beide nicht mehr zu den Hobbylosen gehören. 😀
      <3, Mira

  7. Mia Marie Louise
    Mai 15, 2017 / 2:06 pm

    Ich liebe die Art wie du schreibst, und vor allem wie du Einleitest. Ich lese deine Beiträge sehr sehr gerne!

    Liebe Grüße, Mia <3

    • Mai 15, 2017 / 2:19 pm

      Das ist ein sehr schönes Kompliment – ganz lieben Dank! <3

  8. Mai 17, 2017 / 7:49 am

    Ein schöne Post!
    Liebe Grüße
    Miriam

  9. Mai 18, 2017 / 7:28 am

    Richtig wahrer Blogpost! Bin gerade auch dabei einen Blogpost über Zukunftsangst und Erwartungen zu schreiben 🙂 Ich habe um ehrlich zu sein auch nicht immer richtige Hobbys. Ich habe meinen Blog, gehe jeden Tag ins Fitnessstudio, schau Serien und ab und an, wenn noch Zeit übrig ist, schaffe ich es ein Buch zu lesen… 🙂

    Liebe Grüße,
    Rebecca

  10. Mai 18, 2017 / 12:20 pm

    Das hast du so gut geschrieben und es hat mich auch zum Nachdenken angeregt 🙂
    Liebe Grüße, Emma

  11. Mai 18, 2017 / 4:01 pm

    Liebe Mira,
    ein wirklich toller Post!
    Na, mit dem Blog hast du ja jetzt ein weiteres schönes Hobby,
    das ist es zumindest für mich 🙂

    Liebe Grüße, Josie
    https://josiejolie.com

  12. Mai 29, 2017 / 5:32 pm

    Hallo Mira!

    Einen wirklich schönen Blog hast du da, und deine Artikel gefallen mir auch. Ich mag, wie du schreibst 🙂

    Und du bist aus Dresden! Ich bin auch da so aus der Ecke… jetzt aber in London, und nur noch selten daheim…

    Ich freue mich auf weitere Beiträge von dir!

    Liebe Grüße,
    Marii Bee

    • Mai 30, 2017 / 6:46 pm

      Mit London hast du aber auch eine tolle Stadt ausgesucht. War vor zwei Wochen erst da – zum x-ten Mal. Wunderbar dort! Und danke für das tolle Kompliment. 🙂 <3

  13. Juli 16, 2017 / 6:15 am

    sehr schön geschrieben – ich hatte nach dem studium auch keine echten Hobbies – ich koche gerne, lese auch unheimlich gerne – als ich dann vor einem jahr mit dem bloggen angefangen habe – wusste ich, dass ist es 🙂
    glg katy

    http://www.lakatyfox.com

    • Juli 17, 2017 / 9:23 am

      Umso schöner, wenn es dann plötzlich so “Klick” macht wie bei dir! 🙂

  14. Juli 17, 2017 / 9:08 am

    Liebe Mira,

    Dein Schreibstil gefällt mir total gut! 🙂
    Mit Deinem Blog dürftest Du jetzt ein richtig tolles Hobby gefunden haben. Ich drücke Dir die Daumen, dass Du noch lange Freude daran haben wirst! 🙂

    Liebe Grüße,

    http://www.ChristinaKey.com

  15. Juli 18, 2017 / 7:22 am

    Ein wirklich toller Beitrag ;). Ich habe mit dem Blog ein Hobby und eine Leidenschaft gefunden die mich erfüllt, auch wenn auch dies ein Hobby ist, welches man alleine ausübt, aber das finde ich jetzt gar nicht so schlimm. Wobei gerade bei den Fototouren (fotografieren liebe ich eh) bin ich öfters mit Freunden unterwegs und wir machen das gemeinsam.

    Wie du schon geschrieben hast, ist es wichtig, dass man Moment für sich selbst findet und die nutze ich für die Sachen ,die mir am Herzen liegen. Ein gutes Buch liesen, meine Lieblingsserie verfolgen oder auch einfach nur mal bei guter Musik entspannen.

    Das mit den Konzerten finde ich aber eine tollen Pakt und wünsche euch da weiterhin viel Spaß ;).

  16. Juli 18, 2017 / 9:27 am

    Danke für die persönlichen Einblicke in Dein Leben. Als Mutter zweier Kindern finde ich mich in manchen Sachen wieder.

  17. Juli 22, 2017 / 3:20 pm

    Hi Mira,

    ich stimme dir total zu: im Alltag ist es oft schwierig, Zeit zu “haben” für Hobbies. Man muss sie sich nehmen!

    Dein Artikel regt mich an zu überlegen, wie das bei mir so ist. DANKE DAFÜR! Was ist eigentlich ein Hobby, wie definiere ich das denn? Gehört auch Rumwurschteln, Ausprobieren, Meiner-Neugier-Folgen dazu?

    Viele Grüße,
    Kerstin

    ::: http://blog.laboratorium-nachhaltigkeit.de :::

  18. Juli 24, 2017 / 9:41 am

    Hey meine Liebe! Ich hatte Gänsehaut beim Lesen! 😉 In meinem Leben gab es auch immer viel zu wenig Zeit… meistens durch den Job bedingt. Aktuell ist es zwar ein bisschen besser für mich und seit ich meinen Blog habe, habe ich auch wieder ein Hobby, allerdings möchte ich noch weiter auf eine Reise gehen.. Umschulungen… mehr Zeit finden… neue Menschen kennen lernen… Blogger treffen!

    Eure Idee mit den Konzerten finde ich toll… und die Umsetzung beweist, dass Ziele im Leben so wichtig sind!

    Ich wünsche Dir ganz viel Erfog!
    PS: Dein Design und deine Art mit Wörter zu spielen gefällt mir richtig gut!

    Liebe Grüße

  19. September 7, 2017 / 3:02 pm

    Super Beitrag! Und ich finde es (besonders als Musikblogger) toll, dass ihr euch das mit den monatlichen Konzerten vorgenommen habt! Zurzeit komme ich leider kaum dazu. Falls du mal darüber berichten möchtest, meld dich gerne, wir nehmen gerne Gastbeiträge dazu an :))

    Viele Grüße von Michelle <3

  20. September 9, 2017 / 7:15 pm

    Guten Abend.
    Hobbys habe ich so auch keine, außer das ich leidenschaftlich gerne lese und schreibe. Ansonsten habe ich für meine Interessen so gar keine Zeit und Muße mehr. Bin froh meinen Blog zu haben. 🙂 Mehr geht da momentan gar nicht.

    Liebste Grüße,
    Sandra.

  21. September 19, 2017 / 9:42 am

    Oh Mira, ich finde mich in deinem Artikel total wieder.
    Vor 2,5 Jahren habe ich meinen Ausbilderschein gemacht, bei dessen Seminar sich jeder Teilnehmer nach der Reihe vorstellen sollte: Name, Wohnort, Grund für die Anwesenheit und… Hobby.
    Und du glaubst nicht wie mir die Pumpe gegangen ist. Ich saß da und hatte Angst, dass mir kein Hobby einfällt, bis ich dran war. Ich hab kein wirkliches Hobby!
    Musik höre ich gerne, Serien liebe ich zu schauen, mit dem Hund gehe ich gerne spazieren, ab und zu gehe ich mal bissl schwimmen, ich treffe mich mit Freunden und gehe dann essen/trinken… aber sonst? Tu ich außer zu arbeiten und bis Dezember nebenbei noch zu studieren nichts!
    Es wurden Sachen genannt wie “Golf”, “Reiten”, “Segeln”, “Orchester”, “Feuerwehr” – und ich saß da und hab mich fast geschämt xD unglaublich!

    Obwohl ich kein Hobby habe, bin ich aber dennoch fast jeden Tag bis abends unterwegs. Der Alltagsstress hat mich voll im Griff. Deshalb nehme ich mir mittlerweile ca. 2x im Monat absichtlich Zeit für mich und treffe dann niemanden, mache keine Besorgungen. Entspanne zu Hause, blätter in Magazinen, schaue Serien oder male 🙂

    LG, Isa

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