Mein Freund & Feind: Smartphones & Social Media

Mein Freund & Feind: Smartphones & Social Media

“Mein Handy ist mein bester Freund.” – das würden wohl die wenigsten von uns genau so formulieren. So befremdlich, wie dieser Satz für uns klingen mag, so zutreffend ist er doch mittlerweile für viele. Streng genommen kann dieses manchmal kleine, manchmal nicht so kleine technische Gerät keine Beziehung zu uns aufbauen. Wir hingegen aber zu ihm. Es begleitet uns tagein, tagaus. Auf dem Weg zur Arbeit, in der Mittagspause, beim Warten auf die nächste Bahn, beim Treffen mit Freunden. Es ist immer da, immer mit dabei. Weil es unsere Verbindung in die Welt ist. Zu den Menschen, die wir lieben, zu denen, die gerade ganz weit weg von uns sind. Oder nur eine Straße entfernt. Handys und insbesondere Social Media verbinden. Kommunikation is key – und für diese sind diese beiden Erfindungen ein Segen.

Dass unser Medienkonsum über die Jahre immer mehr zugenommen hat, das ist uns allen klar. Klar ist auch, dass dieser bei manchem die Überhand gewinnt. So nervös wie Raucher bei einer fehlenden Zigarette werden, so unruhig wird mancher, wenn der Akku des Smartphones leer ist. Rauchen und Smartphones – vor ein paar Jahren hätte sicher niemand für möglich gehalten, dass beides gleichermaßen für Suchtverhalten sorgt. Immer häufiger hört man jedoch vom Digital Detox. “Ich bin jetzt für ein paar Tage mal offline, ein wenig abschalten” hörte ich letzte Woche eine Freundin sagen. Kurz vorher gab ich ein “Ihr hört heute nichts von mir, mein Handy bleibt im Flugmodus!” an meine Freunde in einer WhatsApp Gruppe weiter. Immer häufiger zu erkennendes Umdenken? Ja! Gerade bei den heavy Usern hört man immer häufiger von einer digitalen Auszeit. Und das ist gut! Die Erkenntnis, dass uns der Blick auf den Bildschirm immer mehr isoliert anstatt uns zu verbinden, verbreitet sich.

Wir alle kennen die Folgen. Ich führe sie trotz allem erneut auf. Uns sind viele Punkte stets bekannt – und doch: Wir erinnern uns kaum daran. Denken nur nach Erinnerungen daran.

Smartphones und Social Media

Sucht

Das Smartphone und Social Media sind heute fester Bestandteil im Leben eines Großteils der Bevölkerung. Jeder hat sich an den Anblick gewöhnt, dass die Augen vieler an den Bildschirmen der Handys haften und die unmittelbare Umgebung gar nicht mehr wahrgenommen wird. Instagram, Twitter, Facebook – sie verschlingen unsere Aufmerksamkeit und Zeit. Viele Menschen haben sich so sehr an ihre Telefone gewöhnt, dass sie es meist keine Stunde ohne einen Blick auf selbiges aushalten. Fear of missing out – die Angst, etwas zu verpassen, wenn man offline ist. Dieses nervöse Gefühl, wenn man lange nicht mehr auf das Handy geschaut hat.
Grenzt man sich heute sozial aus, wenn man offline ist? Ich sage: Nein. Habt Mut, das Handy auch mal wegzulegen. Es auszuschalten. Und euch mal ganz auf euch selbst zu konzentrieren.

 

Ablenkung

Unsere digitalen Begleiter lenken ab. Viel zu sehr. Wann seid ihr das letzte Mal bewusst Bahn gefahren, ohne auf das Handy zu starren? Habt die Menschen um euch herum bewusst wahrgenommen? Nicht nur unsere Aufmerksamkeit, auch unsere Produktivität wird uns geraubt. Beim Schreiben eines Artikels zwischendurch mal kurz auf’s Handy geschaut, auf der Arbeit mal eben zwei WhatsApp Nachrichten beantwortet – zack: Unsere Konzentration ist verschwunden. Bis wir wieder fokussiert weiterarbeiten können, vergehen fünf bis zehn Minuten.

 

Weniger soziale Interaktion

Soziale Netzwerke verbinden, keine Frage. Sie schaffen jedoch auch das genaue Gegenteil. Unsere Freundeslisten platzen aus allen Nähten, ohne wirklich persönliche Interaktion treten wir nahezu täglich in Kontakt mit anderen. Sieh dir deine Freundesliste bei Facebook an. Hast du eine wirklich persönliche Beziehung zu allen? Mit wievielen davon kommunizierst du regelmäßig außerhalb der Netzwerke? Wann hast du sie das letzte Mal gesehen? Nur die wenigsten davon sind wirkliche Freunde. Und leben somit in einer kleinen Scheinwelt. Wir wirken verbunden, sozial engagiert – und vernachlässigen im schlimmsten Fall sogar die Freundschaften außerhalb des Internets.

 

Fehlende menschliche Bindung

Smartphones und Social Media sind in vielen Haushalten reines Entertainment. Einige Eltern verbringen mehr Zeit mit ihren Telefonen als mit ihren Kindern, manche Partner investieren mehr Zeit in Internetaktivitäten, als diese Zeit dem eigenen Partner zu schenken. Menschen fühlen sich schnell vernachlässigt – gerade wenn ein technisches Gerät und die Menschen dort draußen wichtiger scheinen, als man selbst hier und jetzt. Niemand von uns möchte diese emotionale Vernachlässigung erfahren. Warum tun wir diese aber anderen an? Schenkt eure Aufmerksamkeit den Menschen, die jetzt gerade bei euch sind. Die neuesten Statusupdates auf Facebook und Instagram sind auch später noch da, die WhatsApp-Nachrichten müssen nicht sofort beantwortet werden.

 

 

Ich selbst nutze Social Media häufig. Täglich. Das alles klingt negativ: Dass dieser Post einseitig und nur die Nachteile beleuchtet – das ist mir bewusst. Aber auch gewollt. Die Vorteile und den Nutzen, den wir aus all den technologischen Entwicklungen der letzten Jahre gezogen haben, erfahren wir alle tagtäglich. Unser Leben wird enorm vereinfacht und ja, tatsächlich ist es leichter, Kontakt zu anderen zu halten. Dennoch spüren wir die negativen Folgen ebenso täglich, schenken ihnen aber weniger Beachtung. Denn eigentlich wollen wir das alles ja nicht hören. Unser eigenes Verhalten nicht reflektieren. Tut es dennoch – euren Mitmenschen zuliebe. <3

 

 

 

 

25 Kommentare

  1. Sarah
    August 20, 2017 / 12:53 pm

    Schöner Artikel! Heute ist es wirklich normal, ständig aufs Handy zu starren. Für mich haben sich kleine Auszeiten bewährt.

  2. August 20, 2017 / 1:19 pm

    Toller Artikel und so wahr! Ich hab letztens eine unfreiwillige Auszeit gemacht und es tut schon gut. Aber irgendwie ist man halt auch selebr Schuld, dass man es soweit kommen lässt.

    • August 20, 2017 / 1:24 pm

      Das stimmt. Umso wichtiger ist es, dass man ein wenig ein Auge darauf hat. 🙂

  3. August 21, 2017 / 8:06 pm

    Super Beitrag Mira ❤️
    Also mir geht es so, dass ich immer mal wieder ein paar Tage Auszeit brauche, in denen ich nicht mehr mache als die Zeit zu genießen und einmal am Tag ein Bild hochzuladen – das natürlich vorher geplant wurde – um nicht ganz offline zu sein. Ich habe allerdings das Suchtverhalten abgelegt und nutze Zeiten wie in der Bahn lieber zum lesen oder Ruhe haben!

    • August 21, 2017 / 8:23 pm

      Genau das eine ist meine erste Maßnahme – die Zeit, die man irgendwo unterwegs ist oder wartet, zum lesen nutzen. <3 Und lieben Dank für das Kompliment!

  4. August 22, 2017 / 7:33 am

    Sehr schön! Auch ich zähle leider zu den absoluten Suchtis 🙁

  5. August 22, 2017 / 9:24 am

    WOW! der Artikel ist wirklich super geschrieben. Man merkt wie viel mühe du dir machst.

  6. August 23, 2017 / 4:15 pm

    Ein toller Beitrag und ich kann dir nur zustimmen! Handy und Social Media bestimmen unseren Alltag und sind oft wichtiger als alles andere! Letztens saß ein junges Paar neben uns in einem lokal, beide das Handy in der Hand, sogar während dem Essen! Geredet haben sie max drei Sätze miteinander und das war belangloses Zeugs! Sehr schade! Lg Iris

  7. Kathrin
    August 23, 2017 / 5:03 pm

    Sehr gut und absolut treffend geschrieben. So ist es und nicht anders.

  8. nici
    August 23, 2017 / 5:03 pm

    Ehrliche Worte. Selber war ich bis vor einigen Monaten noch total abhänging von meinem Handy, aber inzwischen komme ich auch einige Stunden ohne aus 😉 Ich muss nicht mehr aller Paar Minuten drauf schauen, kann das Klingen auch ignorieren und schaue lieber zwischendurch in ein Buch, genieße die Zeit in der Natur oder spiele mit meinem Kind. Aber es ist schon erschreckend, wie sehr die Jugend an ihrem Handy festhält. Vor kurzem bin ich am Bahhof lang und statt sich unter einader beim unterhalten anzuschauen, schaute jeden nur auf das Handy. Traurig.

    Alles liebe

    • August 25, 2017 / 6:52 am

      Letztendlich ist es auch einfach ein wenig “Training”, wie ich finde. 🙂 Man gewöhnt sich an die ständige Nutzung, aber eben auch an’s Weglegen. 🙂

  9. August 23, 2017 / 5:20 pm

    Guten Abend,
    und es stimmt so sehr. Alleine die Ablenkung und die fehlende Kommunikation. Etwas, was ich immer wieder bedaure, dass das doch so viel ausmacht. Danke für deinen tollen Artikel.

    Liebste Grüße,
    Sandra.

  10. August 23, 2017 / 5:39 pm

    Super Post!

    Mittlerweile liebe ich die Momente, in denen ich nicht am Smartphone hänge und das MacBook zugeklappt ist. Wenn ich einfach im Hier und Jetzt sein kann.

    Ich denke es ist sehr wichtig, immer wieder solche “Auszeiten” zu nehmen, auch wenn sie nur kurz sind 🙂

  11. August 23, 2017 / 6:15 pm

    Sehr schön geschrieben und absolut wahr!
    Ich habe eine Bachelorarbeit über online Kommunikation und so geschrieben die genau das zeigt.

    Und ich würde sogar noch weiter gehen das manche so süchtig nach ihrem Handy sind das sie lieber auf Freunde und Partnerschaft verzichten würden als das Handy für paar Tage aus zu machen. Dies kam in meiner Umfrage klar durch und das ist sehr erschreckend…

    Ich selbst nutze social media und mein Handy zwar oft aber es gibt oft zeiten da hab ich mein Handy nur 1-2 mal am Tag in der Hand und social media sind mir sogar wochenlang fremd… und das ist gut so. es gibt wichtigeres im Leben! 🙂

    Toller Blogpost!

    Liebste Grüße

    • August 25, 2017 / 6:53 am

      Erschreckend, oder? Ich versuche, mir das wirklich immer wieder bewusst zu machen.

  12. August 23, 2017 / 7:15 pm

    Sehr schön geschrieben und leider wahr! Ich finde es sehr schade, dass Viele 24/7 am Smartphone kleben und nur bei Laternenpfählen den Blick vom Bildschirm lösen und manchmal selbst dann nicht 😉
    Ich selbst kann auch gut mal ohne Handy.

    Liebe Grüße, Larissa

  13. August 25, 2017 / 7:57 am

    Sehr schöner Beitrag!
    Ich finde es auch erschreckend, wenn man merkt wie viel Geld man für seine Hardware (Handy, Laptop, Computer etc) bereit ist auszugeben, wenn es dann aber um die Gesundheit geht (zB BioProdukte kaufen) werden wir geizig. Das ist schon verrückt…^^

    Liebe Grüße, Josie Jolie
    https://www.josiejolie.com

    • August 25, 2017 / 8:03 am

      Das ist ein richtig guter Vergleich! 😀 Und sagt glaub ich auch allein schon ziemlich viel aus.
      Danke dir! <3

  14. August 30, 2017 / 9:34 am

    Da kann ich dir zu 100% Rechtgeben wobei ich seit einem halben Jahr ca mein Handy ab 21/22 Uhr auf Flugmodus stelle, früher hab ichs immer auf laut gelassen um alles mitzubekommen ….

    Ich benutze mein Iphone auch tausend mal am tag, egal ob Termine, Emails, Instagram und Co.

    LG Danie von moreaboutdanie.at

  15. September 18, 2017 / 5:50 am

    Absolut wahr! Und doch möchte man nicht aufs Smartphone verzichten. Aber wenn ich mal im Urlaub in einer Gegend ohne WiFi bin, genieße ich es sehr. Man hat plötzlich so viel Zeit!
    Liebe Grüße, Dorie

    http://www.thedorie.com

    • September 18, 2017 / 7:52 am

      Ich genieße es zwischenzeitlich auf total – einfach mal abschalten! 🙂

  16. September 26, 2017 / 9:31 am

    Mein Freund und ich haben uns dafür verständigt, dass wir vor dem Essen je 3-5 Minuten am Handy haben um zu erledigen was zu erledigen ist. Anschließend kommt das Handy weg vom Tisch. Da wir alles beantwortet haben was wichtig war sind wir so auch frei für das reale Gespräch und die echte Verbindung die wir erleben, wenn wir gemeinsam essen.
    So kann man einige Regelungen treffen die beidem gerecht wird – Social Media bedienen wo wir es möchten und in der realen Welt unserem Gegenüber und uns selbst die Aufmerkmerksamkeit schenken, die wir beide verdienen.

  17. März 2, 2018 / 12:50 pm

    Was haben die Leute nur früher ohne ihr handy und facebook gemacht. Meist ist das ganze Leben auf dem handy und es ist das Gerät, auf das die Wenigstens verzichten möchten. Ich möchte es auch nicht missen aber lege es auch bewusst immer wieder mal an die Seite

    • März 2, 2018 / 2:37 pm

      Manchmal fragt man sich das wirklich. Und dann fällt einem wieder ein: Man kannte es ja nicht anders. (:

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